Reaktivierung Bahnstrecke Bocholt–Borken–Coesfeld: Westmünsterlandbahn GmbH gibt nicht auf
Die Westmünsterlandbahn GmbH ist weiter davon überzeugt, dass die Bahnstrecke Bocholt–Borken machbar ist. Sie lässt nun die letzte Studie überprüfen.
Der Streit um die künftige Nutzung der alten Bahntrasse zwischen Bocholt und Rhede geht in die nächste Runde. Die Westmünsterlandbahn GmbH (WMB) hat erhebliche Zweifel an den veröffentlichen Machbarkeitsstudien und lässt diese nun überprüfen.
Die zuletzt im Dezember 2024 vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) vorgelegte Machbarkeitsstudie hatte bei der WMB für Ernüchterung gesorgt: Der Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) lag für die Abschnitte durch Rhede und Bocholt deutlich unter dem erforderlichen Schwellenwert von 1,0 – teilweise nur bei 0,2. Damit wäre eine Reaktivierung der Bahnstrecke aus wirtschaftlicher Sicht nicht förderfähig. Nur der Abschnitt Borken-Coesfeld schnitt mit einem NKI von 1,6 positiv ab. Für den Abschnitt Bocholt-Rhede hingegen sahen die Gutachter keinen realistischen Weg für eine wirtschaftlich tragfähige Lösung. Grund dafür waren unter anderem aufwändige Troglagen, also tiefergelegte Gleisführungen.
„Kommunale Wunschlösungen“
Genau hier setzt die Kritik der WMB an: Die Gesellschaft wirft dem NWL vor, bei der Beauftragung der Studie „kommunale Wunschlösungen“ wie Trogbauwerke und aufwändige Kreuzungsbauten ungeprüft übernommen zu haben. Die WMB spricht von einer „Kostenfalle Troglagen“ und bezweifelt die Auslegung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes, das nach NWL-Angaben höhenfreie Kreuzungen – also Kreuzungen mit Brücken oder Unterführungen – zwingend vorschreibt. Diese Annahme hält die WMB für „juristisch nicht haltbar“. Das gelte insbesondere bei Strecken, die stillgelegt, aber nie formal entwidmet wurden. Das sieht die WMB im Abschnitt zwischen Bocholt und Rhede gegeben.
Die WMB hat nun die Karlsruher Firma TransportTechnologie-Consult (TTK) beauftragt, die Ergebnisse der letzten Studie kritisch zu überprüfen. Eine erste Vor-Ort-Begehung mit Vertretern der WMB und TTK hat bereits stattgefunden – der NWL wurde eingeladen, blieb der Begehung jedoch fern, teilt die WMB mit.
WMB: Vorgehen problematisch
Unterstützt wird die Initiative aus der Politik: Vertreter der Grünen im Zweckverband Mobilität Münsterland (ZVM) äußerten Anfang des Jahres Zweifel an der Transparenz der Studie und forderten vom NWL eine Stellungnahme. In zwei Antwortschreiben habe der NWL unter anderem angegeben, die „Wunschlösungen“ der Kommunen „1:1 übernommen“ zu haben, obwohl sie über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. Der WMB stuft das Vorgehen als problematisch ein. „Ein bloßes Wünsch-dir-was aus den Rathäusern darf nicht länger Maßstab sein für die Bewertung von Infrastrukturmaßnahmen, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden sollen“, teilt die WMB mit.
Wow, was für ein Engagement!
Ich drücke Euch feste die Daumen, dass ihr die Reaktivierung IN VOLLER LÄNGE (!) doch noch anstoßen könnt. Ich bin von Eurer Motivation nach wie vor unglaublich begeistert und von einem Nutzen für die ganze Region zutiefst überzeugt. Nicht selten werden die in den Gutachten prognostizierten Zahlen bei Streckenreaktivierungen in der Realität zumeist um ein Vielfaches übertroffen. Bitte bleibt weiterhin am Ball!!